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Montag, 29. Juni 2009 29.06.09 11:02 Alter: 1 yrs

Premiere beim Filmfest in München


Augsburger Allgemeine 

„Jetzt isch es halt a so, bloß andersch“

Heimatkrimi Der Roman „Erntedank“ von Klüpfel und Kobr überzeugt auch als TV-Film

Von Rupert Huber

München Dass der Schwabe, insbesondere der Allgäuer, gerne Sprüche von sich gibt, die ins Philosophische gehen, ist nicht neu. Da macht Hauptkommissar Kluftinger keine Ausnahme. „Jetzt isch es halt a so, bloß andersch“, resümiert er am Ende des Fernsehfilms „Erntedank. Ein Allgäukrimi“. Was heißen soll: Der Fall ist gelöst, auch wenn anders als gedacht. Das Leben geht weiter, auch in Altusried im Oberallgäu. Viel Beifall gab es bei der Vorpremiere auf dem Münchner Filmfest für die Produktion, die das Bayerische Fernsehen am Samstag, 26. September (20.15 Uhr), zeigt.

Zu Recht: Denn Regisseur Rainer Kaufmann („Marias letzte Reise“) und die Drehbuchautoren Stefan Holtz und Florian Iwersen schafften es, den Geist des gleichnamigen Romans von Volker Klüpfel und Michael Kobr zu bewahren und dennoch eine Verfilmung zu realisieren, die den Gesetzen des optischen Mediums entspricht. Herausgekommen ist ein Film, der einerseits die düstere Atmosphäre der Vorlage mit einem Hauch von Hitchcocks „Die Vögel“ widerspiegelt, andererseits aber auch die Charaktere in ihren Besonderheiten und Schrulligkeiten hinreißend porträtiert.

Was in erster Linie für den Klufti gilt. Herbert Knaup überzeugt als der Ermittler mit dem richtigen Instinkt, dem richtigen Appetit und seinem aus dem Bauch kommenden Gespür für das, was Recht ist. Dabei sah sich der 53-jährige, hochgewachsene und schlanke Schauspieler zunächst gar nicht in der Rolle. „Das Buch hatte ich zwei Jahre vor Beginn der Filmplanungen gelesen. Es gefiel mir, aber der Kluftinger als eher kleiner, untersetzter, leicht übergewichtiger Typ – den brachte ich nicht mit mir in Verbindung.“

Dann kam es doch anders. Knaup überzeugte bei den Castings und fand Gefallen an dem sonderbaren Ermittler aus Altusried. „Zwölf Kilo hab’ i zuag’nomma.“ Und Kässpatzen, bekanntlich die Lieblingsspeise des Kommissars, gehörten mit zu Knaups Futter-Programm.

So hat den gebürtigen Sonthofener Knaup seine regionale Vergangenheit wieder eingeholt, der er ja als junger Mann entflohen ist. Knaup in seinem heimatlichen Dialekt zu hören, das ist bei dem viel gefragten Darsteller eigentlich die Ausnahme.

Die Puristen werden einwenden, dass die Drehbuchautoren den Kluftinger-Mitarbeiter Strobl gestrichen haben, dass der Kollege Maier anders aussieht als beschrieben und dass der muffelnde VW Passat Kluftis durch einen alten Mercedes ersetzt wurde.

Egal: Dem Bayerischen Rundfunk (BR) ist es mit „Erntedank“ gelungen, nach dem fränkischen „Freiwild“ eine eindrucksvolle schwäbische Duftmarke in der Reihe Heimatkrimi zu setzen. Was den Roman auszeichnete – bizarre Ritualmorde vor dem Hintergrund eines sagenhaften, mystischen Allgäus –, kommt auch in der Verfilmung gut rüber.

Dazu beigetragen haben Darsteller, die die richtige sprachliche Farbe mitbrachten, unter anderem Jockel Tschiersch als Kommissar Hefele, die gebürtige Oberstdorferin Crescentia Dünßer (Witwe Sutter) und Autor Volker Klüpfel, der den Gerichtsmediziner Böhm spielt.

Sollte „Erntedank“ beim TV-Publikum gut ankommen, wäre auch ein zweiter Klufti-Film denkbar, wie die zuständige BR-Redakteurin Stephanie Heckner in München sagte. Aber der würde nicht vor 2012 gedreht, da jetzt erst einmal Niederbayern und der Chiemgau als Heimatkrimi-Schauplätze dran sind.