Preisgekrönte Filmmusik

Der mit 10.000 Euro dotierte Rolf-Hans-Müller-Preis für Filmmusik 2010 geht an den in Starnberg lebenden Komponisten Rainer Bartesch. Bartesch erhält die Auszeichnung für seine Komposition des Kluftinger-Krimis "Erntedank". [mehr]

Kluftis Klang-Kosmos

Für die Vertonung von „Erntedank“ wünschte sich Rainer Kaufmann eine außergewöhnliche, extrem wandlungsfähige Musik, die wie eine Blas- und Stubenmusik klingen sollte aber deutliche kriminalistische, komödiantische und alpenländische Züge haben sollte. Gleichzeitig sollte sie in der Lage sein, auf sensible Weise die Unsicherheit und die Zweifel von Kluftinger wider zu spiegeln.

Es war keine leichte Aufgabe, eine Musik zu finden, die diese zusätzlichen Dimensionen in den Film bringt ohne das Bild in der Wahrnehmung einzuengen bzw. dem Zuschauer eine Interpretation vorzugeben.

 

So erfolgte zum Beispiel die Annäherung an die Titelmusik, Kluftingers Thema, in fünf Etappen. Jeder der fünf Entwürfe passte zwar zum Bild, aber die Energie der ersten vier Stücke sprengte schlicht die kleine Welt, um die sich Kluftinger´s Gedanken drehen. Erst ein schlichter Zwiefacher mit einer recht verschrobenen Harmonik und knappen melodischen Bögen ließ Herbert Knaups Kluftinger genügend Raum, ganz mit dem eigenwilligen Kommissar zu verschmelzen und in dessen Welt einzutauchen.

 

Ein Herausforderung der besonderen Art stellte die Komposition der Musik für Kluftingers surreale Visionen dar. Dafür nahm Rainer Bartesch eigens die Töne einer Zither einzeln auf und spielte sie dann mit Hilfe eines Samplers rückwärts wieder ab. Auf diese Weise konnte das Visionsthema mit den Tönen einer rückwärts abgespielten Zither erklingen.

 

Ebenso außergewöhnlich wie unkonventionell ist die Musik zum Showdown am Dengelfelsen. Hier vermischen sich alpenländische Klänge mit jazzigen Bläsersätzen und Elementen aus der Westernmusik und kreieren einen eigenständigen Sound, für den es keine Vorlage gibt.

Anstatt die Dramatik der Szene durch eine energie- und temporeiche Musik noch zu unterstreichen, nimmt Rainer Bartesch hier das Tempo und die Energie zurück und lässt dafür im Hackbrett eine schicksalshafte, klagende Melodie auftauchen. Erst beim finalen Kampf dürfen die Blechbläser zupacken und mit der Wucht von 4 Tuben und 4 Baritons dem Getümmel ein Ende setzen.

Die meisten Instrumente hat Rainer Bartesch selbst eingespielt, darunter Zither, Hackbretter, Gitarren, Akkordeon, Flügelhörner, Hörner, Alphörner, Posaunen, Euphonien und elektronische Glasharfe.

Von ihrem Umfang her reicht die Filmmusik zu „Erntedank“ mit ihren fast 80 Spuren bereits an den größerer Kinofilme heran.

 

Folgende Instrumente kamen bei der Filmmusik zum Einsatz:

eine Zither, drei verschiedene Hackbretter, zwei Gitarren, Akkordeon, Monochord, ein Kontrabass, eine elektronische Glasharfe, eine Klarinette, eine Bassklarinette, ein Saxophon, fünf Flügelhörner, drei Hörner, vier Alphörner, drei Posaunen, vier Euphonien (Bariton), vier Tuben und große Trommel.

 

 

 

 

 

...und hier die oben beschriebenen Filmsongs (und noch mehr) zum Reinhören:

Filmkomponist Rainer Bartesch

Rainer Bartesch ist auf verschiedenen Gebieten tätig. Er hat als Dirigent eine Vielzahl von bekannten Filmmusiken unter anderem die Oscarprämierte Filmmusik zu „Nirgendwo in Afrika“.

Im Jahr 2007 gewann er mit seinem „Magnificat für Orchester“ den ersten Preis beim Kompositionswettbewerb des BR für neue sakrale Orchestermusik und 2009 den zweiten Preis beim internationalen Kompositionswettbewerb der Pyromusikale in Berlin.

Momentan arbeitet er an der Vertonung eines Dokumentar-Kinofilms über künstliche Intelligenz und an der Filmmusik zur zweiten Staffel von „Franzi“, einer aktuellen Serie des BR. Aus seiner Feder stammt unter anderem auch die Filmmusik zu „Baching“ und „Das große Hobeditzn“ sowie die zu vier Filmen von Marcus H. Rosenmüller.