Internationaler Buchpreis Corine 2008

Kategorie "Weltbild Leserpreis"

Weltbild-Chef Werner Ortner begründete die Preisvergabe mit den Worten: "Die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr verstehen es wie keine zweiten, mit ihrem verschrobenen Kultkommissar Kluftinger den Leser gleichsam zu fesseln wie zu unterhalten. Ihr Erfolgsrezept: Ein einzigartiger Mix aus brisanten Themen und humorvollen Anekdoten mit Lokalkolorit. Dafür werden sie von den Weltbild Lesern in diesem Jahr mit der CORINE ausgezeichnet."

Für Spannung sorgte bereits die Abstimmung: Weltbild-Leser konnten auf der Internetseite ihre Lieblingsautoren wählen. Das Bestsellerduo Volker Klüpfel und Michael Kobr setzte sich mit "Laienspiel" gegen renommierte Krimi-Autoren und Shooting-Stars wie Henning Mankell, Minette Walters, Martin Suter, Tom Rob Smith und Sebastian Fitzek durch.

Im Rahmen einer feierlichen Gala wurde dem Autorenduo am 4. November 2008 die "Corine" verliehen. Laudator war Schauspieler Jockel Tschiersch, der in der Verfilmung von "Erntedank" den Hefele spielt.

Das meinte die Presse zum Gala-Auftritt der Autoren:

Große Komödianten-Klasse bewiesen auch die beiden Allgäuer Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr, denen mit ihren Krimis um das eher tiefbegabte Allgäuer Urviech Kluftinger Kult-Bestseller gelungen sind. Die beiden erwogen kurz, den Porzellan-Preis à la Reich-Ranicki „von sich zu werfen“ und schau-kabbelten sich anschießend so gekonnt, dass ihnen der Saal zu Füßen lag und man sich fragte, warum die nicht längst eine eigene Fernsehshow haben. Focus Online

Und auch die Allgäuer Krimiautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr sorgen für Gekicher im Saal, sie könnten ihr Geld genauso gut als Komikerduo verdienen. Bei der Dankesrede kabbeln sie sich brillant, bevor sie ihre Püppchen vorsichtig zwischen Styropor verstauen. Christina Warta/Süddeutsche Zeitung

Das Allgäuer Autoren-Duo Volker Klüpfel und Michael Kobr (Leserpreis für »Laienspiel«) macht seine Dankesrede zu einem Comedy-Auftritt samt kurzer Imitation von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. ddp


Dankesrede

Die Dankesrede der Autoren als Video zum Ansehen.

Zur Verfügung gestellt von Ralf Lienert/AZ

Laudatio von Jockel Tschiersch

Schon das Vorspiel zu der Romanreihe klingt wie das erste Kapitel eines Romans: irgendwann im Jahr 2000 fahren zwei Freunde auf der Autobahn von Hannover in Richtung Allgäu,  und was Hannover nicht geschafft hat, vollbringt die Strecke: den beiden wird langweilig. Also fangen sie an, sich einen Krimi auszudenken, und so gesehen hat einer der mittlerweile bekanntesten deutschen Polizisten das Licht der Welt auf einem Autobahnabschnitt irgendwo zwischen Niedersachsen und Bayern erblickt: Kommissar Kluftinger, ein Allgäuer nicht nur für’s Allgäu, sondern auch für den Rescht der Republik. 

Volker Klüpfel und Michael Kobr, die beiden Autoren, werden sich an diese Autofahrt wohl sehr gerne erinnern. Vier Kluftinger-Krimis haben sie seitdem geschrieben, und alle haben es auf die Bestseller-Listen geschafft. Der neueste Band – „Laienspiel“ – erschien im März dieses Jahres und verkaufte sich gleich in der ersten Woche rund 100.000 Mal.  Ich habe das „Laienspiel“ auf dem Weg vom Allgäu nach Berlin gelesen, im ICE, auf der Rückfahrt von den Dreharbeiten zu ERNTEDANK, dem zweiten Kluftinger-Krimi, in dem ich Kluftis Assistent Hefele spielen durfte. Und war so gefesselt, dass mich nicht mal mehr die Ansagen des Zugpersonals der Deutschen Bahn aus der Lektüre herausreißen konnten: Ladies an gentleman we are now approaching Jena Paradies ... keine Chance gegen Kluftingers Laienspiel:  der Kommissar steckt gerade mitten in den Endproben für die große Freilichtinszenierung von „Wilhelm Tell“, als sich die Ereignisse im Allgäu überschlagen. Was mit einem Selbstmord beginnt, eskaliert schließlich zum internationalen Terrorismus, der ins friedliche Allgäu hineinschwappt. Aber eine der schönsten Stellen ist für mich die, in der der familiäre Terrorismus zuschlägt: Kluftingers Schuhkauf mit der geliebten Mutter. Ich habe selten so einen schönen GAU von Nichtverstehen zwischen Verwandten ersten Grades gelesen: wie sich Allgäuer im Allgäu nicht fremder sein können als jedweder Mensch in jedweden sogenannten fremden kulturellen Kreisen: da fängt’s eben an, mit dem Nicht-Verstehen.

 

Volker Klüpfel und Michael Kobr muten ihrem Kluftinger wieder einiges zu: einen cholerischen Theaterregisseur (gibt’s auch andere ?), einen Tanzkurs mit seiner geliebten Frau und dem G’scheidhafen (zu deutsch Besserwisser) Langhammer und unkollegiale Attacken auf Kluftingers Stamm-Pissoir im Präsidium. Mitten im Allgäu wird ein Attentat auf die Fußball-EM 2008 vorbereitet, und Kluftinger, der stramme Allgäuer, ist gezwungen, sich mit der modernen globalisierten Welt auseinanderzusetzen. Das geht im Detail nicht immer gut. Kluftinger will ins Internet, landet aber erst in der Systemsteuerung des Computers und anschließend auf Seiten mit nicht ganz jugendfreien Inhalten,  wird barsch des Internet-Cafe’s verwiesen und wegen seines Laienspiel-Vollbarts für den Tell  als Moslem beschimpft: ja ja, so schnell kanns gehen.

Und plötzlich ist Kluftinger Mitglied in einer Task Force, sozusagen a bissle a LocklHäro im GloblVillaasch Altusriad bei Kempten. Kann das gut gehen? Und ob. Denn  bei allen kleinen Schwächen ist Kluftinger doch ein Mann mit Intuition, sein Verstand messerscharf, und er kennt sich aus im Allgäu. Und er ist sich nicht zu schade, Fragen zu stellen und dazuzulernen – etwa, wenn der Leiter der Task Force einen Vortrag über Religion und Fundamentalismus hält. Und plötzlich versteht man als Leser etwas über den Zustand der Welt, ohne dass man einen Zeigefinger über den Allgäuer Bergen schweben sieht, denn man steckt inmitten einer spannenden Handlung mit saukomischen Passagen. Es ist wirklich bemerkenswert, wie dem Autorenduo dieses Kunststück gelingt.

Kritiker sagen, das Autorenduo habe sich mit seinen kultigen Geschichten rund um den sympathischen Kommissar Kluftinger längst in die Herzen der Leser geschrieben. Ich kann das bestätigen, in meinem Herzen sind die beiden zielsicher gelandet, Hefele hin oder her. Und deshalb freue ich mich um so mehr, ihnen jetzt den Weltbild Leserpreis überreichen zu dürfen.  Ganged her do , ihr zwoi, ihr hobts es eich verdient, sakramentnoamol, wie der Kluftinger sage tät ...

Und hier das Ganze als Video: